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Geräuschangst beim Hund – Wenn Silvester zur Belastung wird

Geschrieben von:Mag. Eva Schneider • Tierärztin • Steinerkirchen
Geräuschangst beim Hund

Für viele Hunde ist Silvester alles andere als ein fröhliches Fest: laute Knaller, zischende Raketen und grelle Lichtblitze versetzen sie in Angst und Schrecken. Während manche Hunde nur kurz erschrecken, entwickeln andere eine ausgeprägte Panik oder gar eine Phobie, die sie und ihre Besitzer langfristig belastet.

Wie erkennt man Geräuschangst?

Hunde drücken Angst sehr unterschiedlich aus. Typische Anzeichen sind:

  • Zittern, Hecheln, Speicheln
  • Unruhe, Winseln, Bellen oder Verstecken
  • Fluchtversuche, Kratzen an Türen oder Zerstörungsverhalten
  • Futterverweigerung, Unsauberkeit
  • Starkes Klammern an Bezugspersonen oder völliger Rückzug

Je früher man diese Signale erkennt und ernst nimmt, desto besser kann man gegensteuern – denn Angstverhalten verfestigt sich mit jeder negativen Erfahrung.

Von Empfindlichkeit bis Phobie – verschiedene Ausprägungen

Geräuschangst tritt in unterschiedlichen Schweregraden auf:

  • Geräuschempfindlichkeit: Der Hund reagiert aufmerksam oder schreckhaft auf ungewohnte Geräusche, beruhigt sich aber rasch wieder
  • Geräuschangst: Der Hund zeigt deutliche Stresssymptome – er hechelt, zittert, sucht Schutz oder verweigert Futter. Er braucht oft lange, um wieder zur Ruhe zu kommen
  • Geräuschphobie: Eine extreme, krankhafte Reaktion mit Panik, Fluchtverhalten, Desorientierung oder sogar Selbstverletzung. Diese Form erfordert zwingend tierärztliche Unterstützung
Geräuschangst beim Hund - laufender Hund

Training und Verhaltenstherapie

Die Grundlage jeder Behandlung ist ein individuell angepasstes Training, das den Hund langfristig auf Geräusche vorbereitet und in jedem obengenannten Stadium hilfreich sein kann.

1. Desensibilisierung

Dabei wird der Hund langsam und kontrolliert an Geräusche gewöhnt – z. B. mithilfe spezieller Geräusch-CDs oder -Apps mit Feuerwerksgeräuschen.

  • Zunächst werden die Geräusche sehr leise im Hintergrund abgespielt, während der Hund etwas Angenehmes erlebt (Futter, Spiel, Kuscheln)
  • Die Lautstärke wird schrittweise gesteigert, aber nur so weit, wie der Hund ruhig bleibt
  • Dieses Training sollte mehrmals pro Woche über mehrere Monate erfolgen

2. Gegenkonditionierung

Parallel dazu lernt der Hund: „Knall = etwas Positives passiert!“

  • Jedes Knallgeräusch wird sofort mit etwas Belohnendem verknüpft (Leckerli, Lieblingsspiel, Lob)
  • Dadurch verändert sich die emotionale Bewertung des Geräuschs langfristig

3. Frühe Prägung im Welpenalter

Am effektivsten ist Geräuschtraining bereits im Welpenalter, wenn der Hund offen und lernfreudig gegenüber Neuem ist. Positive Erfahrungen mit Alltagsgeräuschen können die Entstehung von Angst verhindern bzw. im Keim ersticken.


Unterstützende Maßnahmen

Nicht jeder Hund reagiert gleich, daher ist eine Kombination verschiedener Ansätze meist am erfolgreichsten


Physische und verhaltenstherapeutische Hilfen:

  • Thundershirt® oder Anxiety Wrap: enger anliegende Kleidung, die leichten Druck ausübt und beruhigend wirken kann (ähnlich dem Prinzip der „Deep Pressure Therapy“)
  • Calming Cap: reduziert optische Reize und hilft, den Hund herunterzufahren
  • Sichere Rückzugsorte: Box, ruhiges Zimmer, abgedunkelte Fenster, leise Hintergrundmusik
  • Massage & Akupunktur: können die Muskelspannung senken und die Entspannung fördern – ideal einige Wochen vor Silvester beginnen

Pflanzliche und alternative Präparate

Viele Hunde profitieren von pflanzlichen oder natürlichen Produkten, die sanft auf das Nervensystem wirken. Wichtig ist, frühzeitig damit zu beginnen, da sich die Wirkung meist erst nach einigen Tagen oder Wochen entfaltet.


Aminosäuren & Pheromone:

  • L-Theanin (z. B. in Zylkene®, Anxitane®) fördert die Bildung beruhigender Neurotransmitter
  • Adaptil® (synthetisches Beruhigungspheromon) vermittelt Hunden das Gefühl mütterlicher Geborgenheit

Pflanzliche Präparate:

  • Kombinationen aus Baldrian, Passionsblume, Melisse, Hopfen oder Johanniskraut können unterstützend wirken
  • Auch CBD-Produkte werden zunehmend eingesetzt – jedoch unbedingt Qualität, Dosierung und Verträglichkeit mit dem Tierarzt abklären!
  • Homöopathie & Bachblüten: können bei leichten Fällen begleitend helfen, ersetzen aber keine Verhaltenstherapie.

Diese Mittel sind besonders für Hunde geeignet, die empfindlich oder leicht ängstlich, aber nicht panisch reagieren.


Medikamentöse Unterstützung

Bei Hunden mit ausgeprägter Angst oder Phobie sind häufig konventionelle Medikamente erforderlich, um akute Panik zu verhindern.
Diese Medikamente dürfen nur nach tierärztlicher Untersuchung eingesetzt werden.

Beispiele für verschreibungspflichtige Präparate:

  • Sileo® (Dexmedetomidin-Gel): wird ins Maul aufgetragen, wirkt beruhigend ohne starke Sedierung – ideal für den Akutfall an Silvester.(Vorsicht darf nur bei gesunden Tieren angewendet werden)
  • Trazodon oder Alprazolam: angstlösend, individuell dosiert, oft kombiniert mit Verhaltenstraining
  • SSRIs oder trizyklische Antidepressiva: bei chronischer Geräuschphobie – müssen über Wochen aufgebaut werden

Wichtig: Medikamente sind keine „letzte Lösung“, sondern ein wertvoller Bestandteil eines Gesamtplans. Sie helfen, den Hund in einem lernfähigen Zustand zu halten und Panik zu vermeiden.

Zeitplan zur Vorbereitung

3 Monate vorher – Desensibilisierung starten

  • Geräuschtraining regelmäßig durchführen
  • Positive Verknüpfung mit Spiel oder Futter aufbauen
  • Frühzeitig über pflanzliche oder ergänzende Mittel mit dem Tierarzt sprechen

3 Wochen vorher – Entspannung und Routine festigen

  • An Thundershirt, Box oder Calming Cap gewöhnen
  • Massagen oder Akupunktur einführen
  • Medikamentöse Unterstützung, falls notwendig, gemeinsam mit dem Tierarzt planen und Wirkung testen

3 Tage vorher – Ruhe bewahren

  • Keine aufregenden Unternehmungen oder Trainingseinheiten mehr
  • Reizumgebung reduzieren: Musik, geschlossene Rollläden, vertrauter Rückzugsort
  • Medikamente nach Plan verabreichen

Am Silvestertag

  • Spaziergänge frühzeitig und an der Leine erledigen, wenn stark panischer Hund doppelt sichern!
  • Hund nicht alleine lassen!
  • Fenster und Türen schließen, Musik oder TV laufen lassen.
  • Den Hund in seiner Rückzugszone lassen – kein Mitleid, aber ruhige Sicherheit ausstrahlen.
Border Collie

Fazit

Geräuschangst ist kein Zeichen von „Ungehorsam“, sondern eine ernsthafte Belastung, die sich mit jedem Silvester verschlimmern kann, wenn sie unbehandelt bleibt.
Mit rechtzeitiger Vorbereitung, gezieltem Training, unterstützenden Maßnahmen und ggf. tierärztlicher Medikation lässt sich die Angst vieler Hunde deutlich reduzieren.

Warten Sie nicht bis zum 31. Dezember – am Silvestertag ist es oft schon zu spät, um noch wirksam gegenzusteuern.
Ihr Tierärzteteam berät Sie gerne individuell, damit Ihr Hund entspannt ins neue Jahr starten kann.

Wichtiger Hinweis zum Schluss:
Bitte experimentieren Sie nicht selbst mit Hausmitteln, Alkohol (wie Eierlikör) oder im Internet empfohlenen „Geheimtipps“. Diese können Ihrem Hund ernsthaft schaden oder gefährliche Wechselwirkungen verursachen. Auch pflanzliche und verschreibungspflichtige Medikamente sollten immer in Absprache mit Ihrem Tierarztteam ausgewählt und dosiert werden – nur so ist eine sichere und wirksame Unterstützung gewährleistet.

Wer also früh mit der Vorbereitung beginnt, hat an Silvester deutlich weniger Sorgen – und auch Ihr Hund kann entspannter ins neue Jahr starten. Vereinbaren Sie rechtzeitig einen Termin bei Ihrem Tierärzteteam, damit Sie gemeinsam gut vorbereitet, stressfrei und vielleicht sogar mit ein wenig Freude Silvester überstehen können

Letzte Aktualisierung: 23. Dezember 2025

  • Steinerkirchen

    Linden 7

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